Können KI und Knowledge Graphs die Verwaltung revolutionieren?

Können Knowledge Graphs und KI die Verwaltung revolutionieren? Ein Gedankenexperiment: Wie moderne Software-Konzepte Förderanträge vereinfachen könnten – mit echtem Praxis-Test.

Ein Gedankenexperiment: Wie moderne Software-Konzepte Förderanträge vereinfachen könnten


Die Vision: Intelligente Verwaltung statt Papierkrieg

Stell dir vor, du reichst einen Förderantrag ein – und statt wochenlanger manueller Prüfung analysiert ein intelligentes System automatisch, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. Es kennt alle relevanten Gesetze, Förderrichtlinien und Nebenbestimmungen. Es weiß, welche Paragraphen in welchem Fall greifen. Und es ist immer auf dem neuesten Stand.

Klingt nach Science-Fiction? Die Technologie dafür existiert bereits – nur nicht in der Verwaltung.

Was sind Knowledge Graphs und Context7?

Knowledge Graphs – Das Wissen vernetzen

Ein Knowledge Graph ist wie ein digitales Gehirn: Er speichert nicht nur Informationen, sondern auch die Beziehungen zwischen ihnen.

Beispiel aus der Praxis:

  • Ein Dokument enthält: "Paragraph 23: Antragsteller wird überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert"
  • Der Knowledge Graph weiß: Das triggert Prüfpflichten nach Beihilferecht
  • Er kennt die Verbindung: Beihilferecht → EU-Vorgaben → Gemeinnützigkeitsregelungen
  • Er verlinkt automatisch: Alle relevanten Dokumente, Fristen und Ausnahmen

Context7 – Wissen für Entwickler, immer aktuell

Context7 ist ein Tool, das Entwicklern beim Programmieren hilft. Es hält automatisch Dokumentationen, Code-Beispiele und Best Practices aktuell – gepflegt von der Community und direkt verknüpft mit GitHub-Repositories.

Das Geniale: Context7 ist immer auf dem neuesten Stand, weil es sich mit den Quellen (GitHub) synchronisiert.

Die Übertragung auf die Verwaltung

Das Problem heute

Wenn du heute einen Förderantrag stellst, muss ein Sachbearbeiter:

  1. Alle Dokumente manuell durchgehen

    • Förderrichtlinien (oft 50+ Seiten)
    • Nebenbestimmungen
    • Gesetzestexte
    • Verwaltungsvorschriften
  2. Querverbindungen selbst herstellen

    • "Bei Gemeinnützigkeit gilt Ausnahme X"
    • "Aber nur wenn Bedingung Y erfüllt ist"
    • "Außer bei Sonderfall Z gemäß Paragraph..."
  3. Aktualität selbst prüfen

    • Ist die Förderrichtlinie noch gültig?
    • Gab es gesetzliche Änderungen?
    • Welche Fassung gilt wann?

Das Ergebnis: Wochenlange Bearbeitungszeiten, Fehleranfälligkeit, Frust auf beiden Seiten.

Die Vision: Context7 für Verwaltungen

Stell dir ein System vor, das:

1. Alle Förderportaldokumente vernetzt

  • Förderrichtlinien
  • Gesetze und Paragraphen
  • Nebenbestimmungen
  • Verwaltungsvorschriften
  • Fallbeispiele

2. Automatisch aktuell bleibt

  • Anbindung an Ministeriums-Datenbanken via APIs
  • Neue Gesetze werden automatisch integriert
  • Alte Versionen bleiben für historische Anträge verfügbar

3. Intelligente Verbindungen herstellt

  • "Punkt 23 des Antrags → Triggert Prüfung nach Paragraph X"
  • "Antragsteller ist gemeinnützig → Ausnahmen nach Vereinsrecht prüfen"
  • "Subventionskosten über Schwellwert → Beihilfeprüfung notwendig"

Konkrete Anwendungsfälle

Beispiel 1: Automatisierte Plausibilitätsprüfung

Heute:
Sachbearbeiter muss manuell prüfen, ob Angaben konsistent sind.

Mit KI-System:

System erkennt:
"Antragsteller: Gemeinnütziger Verein"
+ "Finanzierung: 80% öffentliche Mittel"
→ Automatischer Check: Beihilferecht anwendbar?
→ Vorschlag: Paragraph 12 Abs. 3 prüfen
→ Hinweis: Bei Gemeinnützigkeit gilt Ausnahme (Vereinsrecht §5)

Beispiel 2: Neuheitscheck bei Forschungsförderung

Heute:
Manueller Literatur-Review, Expertenanhörung (Wochen/Monate)

Mit KI-System:

  • Vergleich mit Datenbanken abgeschlossener Projekte
  • Literatursuche in wissenschaftlichen Datenbanken
  • Erstbewertung: "Neuheitsgrad hoch/mittel/niedrig"
  • Sachbearbeiter konzentriert sich auf Grenzfälle

Beispiel 3: Rechtssichere Dokumentation

Das System dokumentiert automatisch:

  • Welche Prüfschritte durchgeführt wurden
  • Welche Rechtsgrundlagen herangezogen wurden
  • Warum eine Entscheidung so getroffen wurde
  • Welche Version der Förderrichtlinie galt

Die technische Umsetzung (vereinfacht erklärt)

1. Knowledge Graph aufbauen

Datenquellen einbinden:

  • Ministeriums-Datenbanken
  • Gesetzes-Datenbanken (z.B. Bundesgesetzblatt)
  • Förderportale
  • EU-Vorgaben

Verbindungen herstellen:

  • "Paragraph X verweist auf Richtlinie Y"
  • "Richtlinie Y wurde geändert durch Gesetz Z"
  • "Bei Bedingung A gilt Ausnahme B"

2. KI-Agenten einsetzen

Spezialisierte Agenten für:

  • Plausibilitätsprüfung
  • Rechtsprüfung
  • Neuheitsbewertung
  • Konsistenzcheck
  • Dokumentengenerierung

3. Aktualisierung automatisieren

Wie bei Context7:

  • Zentrale Schnittstelle zu Ministerien
  • Automatischer Import neuer Gesetze/Richtlinien
  • Versionierung: Alte Stände bleiben verfügbar
  • Quality-Checks: Menschliche Freigabe vor Produktivschaltung

Herausforderungen & offene Fragen

Technisch lösbar:

Datenintegration: APIs zu Ministerien aufbauen (wie bei Context7 → GitHub)

KI-Modelle: Moderne Large Language Models können Rechtstexte verstehen

Versionierung: Git-ähnliche Systeme für Gesetze/Richtlinien

Offen/Schwierig:

⚠️ Rechtsverbindlichkeit: Darf ein KI-System Entscheidungen treffen oder nur vorschlagen?

⚠️ Haftung: Wer haftet bei Fehleinschätzungen des Systems?

⚠️ Datenschutz: Wie mit sensiblen Antragsdaten umgehen?

⚠️ Akzeptanz: Vertrauen in automatisierte Prüfungen aufbauen

⚠️ Komplexität: Deutsche Verwaltung hat extreme Sonderfälle – kann KI das abbilden?

Warum nicht einfach starten?

Mein Praxis-Experiment

Ich plane, genau das zu testen – im kleinen Rahmen:

Setup:

  1. Echte und synthetisierte Förderanträge
  2. Relevante Förderrichtlinien und Gesetze
  3. Moderne KI-Tools (Claude Skills, MCP-Server)
  4. Meine Erfahrung als Förderantragsprüfer

Ziel:
Herausfinden, was heute schon möglich ist – ohne speziellen Knowledge Graph, nur mit aktuell verfügbaren Tools.

Dann:
Auf Basis der Ergebnisse einen spezialisierten Skill trainieren, der typische Prüfschritte automatisiert.

Die Frage an dich: Was denkst du?

Ich möchte diese Idee nicht im stillen Kämmerlein entwickeln, sondern mit der Community diskutieren:

Deine Meinung ist gefragt:

💬 Ist die Idee realistisch oder utopisch?

💬 Welche Hürden siehst du, die ich übersehe?

💬 Kennst du bereits laufende Projekte in diese Richtung?

💬 Würdest du einem KI-gestützten Prüfsystem vertrauen?

💬 Was müsste passieren, damit du es nutzen würdest?

Besonders interessiert bin ich an:

  • Verwaltungsmitarbeiter: Welche Prüfschritte sind am zeitaufwendigsten?
  • Antragsteller: Was frustriert dich am meisten beim Prozess?
  • Entwickler: Welche Tech-Stack würdest du empfehlen?
  • Juristen: Wo sind die rechtlichen Stolpersteine?

Wie geht es weiter?

Ich werde in den kommenden Wochen:

  1. Prototyp entwickeln (mit aktuell verfügbaren Tools)
  2. Ergebnisse dokumentieren (weitere Blog-Posts)
  3. Learnings teilen (Was funktioniert? Was nicht?)
  4. Community-Feedback einarbeiten

Bleib dran! Abonniere den Newsletter, um Updates zu diesem Experiment zu erhalten.


Zusammenfassung

Die Technologie für intelligente Verwaltungssysteme existiert bereits – Knowledge Graphs vernetzen Wissen, KI-Agenten automatisieren Prüfungen, API-Integrationen halten Daten aktuell.

Die Herausforderungen sind eher organisatorisch und rechtlich als technisch.

Aber: Wir werden es nur herausfinden, wenn wir es ausprobieren.

Lass uns gemeinsam diskutieren, experimentieren und die Verwaltung von morgen gestalten.


  • Context7: Offizielle Website (Beispiel für automatisch aktualisiertes Wissens-Management)
  • Knowledge Graphs erklärt: Artikel für Einsteiger (coming soon)
  • MCP Server: Model Context Protocol – Wie KI mit Tools spricht (coming soon)


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